Fluchtgeschichten sind immer Geschichten von Krieg und Bürgerkrieg, von Diskriminierung, Unterdrückung, politischer Verfolgung, von Demütigungen, körperlichen Misshandlungen, schweren Menschenrechtsverletzungen bis hin zu grausamer Folter.

 

Es sind Geschichten von wirtschaftlichem und sozialem Elend, von Krankheiten ohne Heilungsaussichten, und - vor allem - von Hoffnungslosigkeit. Und es sind Geschichten von Flucht, von Schleppern, von Ausplünderung und von zerstörten Träumen; Geschichten von Heimatlosigkeit, Fremdheit und dem Gefühl, nicht willkommen zu sein.

 

Eigentlich ist es kaum in Worte zu fassen was Flüchtlinge erlebt haben bzw. erleben, jedoch habe ich mir 2 Schicksale herausgesucht die uns von dem unvorstellbaren Leid berichten:

 

"Herr D. wurde als jüngstes von drei Kindern einer albanischen Familie in einem kleinen Dorf im Kosovo geboren. Schon einmal konnte Herr D. dem Schrecken des Kosovo entkommen und nach Deutschland fliehen. Das war 1995. Drei Jahre später wurde er abgeschoben. Als er in Belgrad ankam wurde er sofort auf das Polizeirevier geführt. Dort brachte man ihn in den Folterkeller, kettete ihn an und verprügelte ihn mit Metallknüppeln. Nach seiner Entlassung floh Herr D. in ein Dorf, dass wenige Tage später von serbischen Soldaten überfallen und in Brand gesetzt wurde. Ein kleiner Junge steht herum und weint. Die Serben fordern seinen Vater auf, aus der Menge zutreten und dem Jungen die Kleider au zuziehen. Als der Junge nackt ist, greift der Polizist plötzlich zu einem Messer mit Sägezähnen und schlitzt dem Jungen Bauch und Brust auf. Der Vater schreit „Ihr seid alle Mörder “.Daraufhin wird er in ein Holzhaus gebracht und unter Schreien verbrannt. Nach 5 Stunden verlässt Herr D. sein Versteck und läuft aus dem Dorf. Überall liegen Leichen. Er verliert das Bewusstsein. In den folgenden Wochen wird das Dorf noch öfters von Serben überfallen. Herr D. versteckt sich im Wald. Zu den alltäglichen Angriffen kommen die nächtlichen Bombardierungen durch die NATO. Im Jahr 2000 gelang Herrn D. ein zweites Mal die Flucht nach Deutschland. Seit fünf Jahren lebt er nun hier. Zuhause wird er manchmal bewusstlos. Oder er hört die Hilferufe de Manne ,den die Serben in der Hütte verbrannten und dem er nicht helfen konnte. Zweifelsohne leidet Herr D. an einer schweren pottraumatischen Belastungsstörung. Herr D hofft nun auf auf einen positiven Asylbescheid und damit auf ein menschenwürdige Leben."

 

 


Frau B.s Gesichtsausdruck bleibt während der gesamten Befragung emotionslos. Ihre Augen scheinen zeitweise ins Leere zu starren. Es fällt ihr sichtlich schwer, von ihren traumatischen Erlebnissen zu erzählen. Als sie berichtet, wie die Soldaten damit drohten, ihren Sohn umzubringen, kann sie die Tränen nicht mehr zurückhalten. Frau B. ist serbisch-montenegrinische Staatsangehörige Kosovo-albanischer
Volkszugehörigkeit muslimischen Glaubens. Das Leben in ihrer Heimat war geprägt von Angst und Verfolgung - ihr Mann wurde vom Militär gesucht und verfolgt. Er versteckte sich ,in Panik, um nicht in den Kosovo-Krieg einberufen zu werden. Die junge Frau B. musste tatenlos zusehen, wie Polizisten mit Gewehrkolben auf ihre Schwiegereltern und ihren kleinen Schwager - bis zur Bewusstlosigkeit -
einschlugen, weil sie den Aufenthaltsort des Ehemanns nicht nennen konnten. Die körperliche Gewalt der Polizei gehörte zu Frau B. s Alltag. Nur zu oft wurde ihre Familie bedroht, beschimpft und misshandelt.
Frau B. wurde mehrere Male gezwungen, auf die Polizeistation mitzukommen. Sie wurde inhaftiert und musste Unvorstellbares über sich ergehen lassen, weil sie der Polizei den Aufenthaltsort ihres Mannes nicht nennen konnte. Sie wurde geschlagen, geprügelt und gefoltert. Am Ende der Haft prügelten die Polizisten so heftig auf Frau B. ein, dass die Hochschwangere um das Leben ihres Kindes bangen musste. Sie drohten, ihr das Kind herauszuschneiden, demütigten und vergewaltigten die junge Frau.
Zuerst wollte ihr Mann alleine fliehen, doch seine Mutter überzeugte ihn, seine Frau nicht alleine zurückzulassen. Seit sie in Deutschland ist, hat sie große Angst, in den Kosovo zurückzukehren .Bei einer Rückkehr in ihre Heimat droht ihr soziale Ächtung. Eine Vergewaltigung im muslimischen Kulturkreis bedeutet Schande für die ganze Familie. Im Kosovo würde die bisher noch ahnungslose Familie wohl sofort von der Vergewaltigung erfahren. Frau B. befürchtet, dass ihr Ehemann deshalb Rache üben könnte und sie hat Angst, dass in diesem Falle ihr eigenes Leben in Gefahr gerät. Frau B. ist depressiv, psychisch belastet und von Ängsten verfolgt. Sie braucht dringend professionelle Hilfe, um die Erlebnisse zu verarbeiten. Die unabkömmliche fachliche Betreuung zur Bewältigung der Traumata ist in ihrer Heimat nicht gewährleistet. Somit würde eine Abschiebung nicht nur die wahrscheinliche Fortsetzung der Folter bedeuten, sondern auch einen unnötig langen Leidensweg, bedingt durch fehlende Therapiemöglichkeiten. Mittlerweile lebt Frau B. seit rund 12 Jahren in Deutschland. Ihr Aufenthaltsstatus ist trotz ihrer Geschichte immer noch unsicher. Sie unter diesen Voraussetzungen zu zwingen, in ihr Heimatland zurückzukehren, bedeutet, sie einer schweren Neutraumatisierung auszusetzen.(1)

 

 

 

 

 

(1) http://www.exilio.de/html/einzelschicksale.html